Was für eine Frage. Ist doch Klar! Ein Bild ist… ääääh… ein Bild ist… mmh… Es gibt den Gegenstand, und das Bild davon. Stimmt, das ist dann ein Abbild, aber wie ist es dann mit abstrakten Bildern?
Es ist wie so oft bei scheinbar einfachen Begriffen, je länger wir darüber nachdenken, desto weniger sind sie zu greifen.
Um sich dem Thema anzunähern, sammeln wir doch einfach mal Begriffe, die mit dem Bild zu tun haben. Dazu werfe ich einfach mal Begriffe in den Raum. In welchen Raum? In´s Wohnzimmer? Kann ich Begriffe werfen? Vielleicht, wenn ich Worte auf Steine schreibe? Es entstehen sofort Bilder in unserem Kopf. Begriffe lösen Bilder aus. Dadurch wird uns schnell schnell klar, dass wir den Spruch nicht wörtlich nehmen können. Der Spruch „Begriffe in den Raum werfen“ bezieht sich eben nicht auf den materiellen Raum. Er bezieht sich eher auf den Bewusstseinsraum. Er ist eine bildhafte Umschreibung für einen rein gedanklichen Vorgang. Er soll uns eine bildhafte Vorstellung davon vermitteln, was gar nicht zu sehen ist. Mit dem Spruch können wir uns „ein Bild von der Sache Machen.“
Also:
„Sich ein Bild von einer Sache machen.“ Weiter: „Mannsbild“. (Äh, warum nur fällt mir dieser Begriff so bald ein? Na gut.) „Weltbild“, „Menschenbild“, „Du sollst dir kein Bild von Gott machen“, „Und er schuf den Menschen nach seinem Bilde“, „Vorstellungsbild“, „Abbild“, „Foto“, „Gemälde“, „Augen“, „Bild und Wirklichkeit“, „Bildzeitung“, „Bildherstellung“, „Bildererzeugung“, „Farben“, „Linien“, „Bildelemente“, „Bildraum“, (wie soll das gehen? Ein Bild ist doch zweidimensional.) „Virtueller Raum“,“Bilderwelten“, „Bewegte Bilder“, „Bewegende Bilder“, „Bildband“, „Bilderrätsel“, „Bildoberfläche“, „Bildschirm“, „Leinwand“, (die im Kino, oder die, auf der gemalt wird?) „Traumbilder“, „Bildhaft“,“Seelenbilder“,“Phantasiebilder“, Realistische Bilder“, „Abstrakte Bilder“, „Konkrete Bilder“, „Illusion“, „Oberfläche“, „Bedeutung“, „Bildschön“, „Was will uns der Künstler mit diesem Bild sagen?“, „Sternbilder“, Spiegelbild“, „Von der Bildfläche verschwinden“.
So weit, so gut. Es wird deutlich, das der Begriff „Bild“ ein sehr komplexer Begriff ist. Mit „Bild“ bezeichnen wir also das materielle Ding, das da an der Wand hängt, auf dem Bildschirm zu sehen ist, oder die Zeitung illustriert, aber auch das Bild, das in unserer Vorstellung erscheint, und nicht zu greifen ist. Sind Bilder überhaupt zu greifen, zu Be-greifen? Nehmen wir doch mal das Bild von dem röhrenden Hirsch? Das Bild als Gegenstand kann ich in die Hand nehmen, und auch mit dem Zeigefinger über die Ölfarbe tasten, aber ich kann den darauf abgebildeten Hirsch nicht berühren. Der ist gar nicht da. Der existiert nur in meiner Vorstellung. Die Farbe und die Form erzeugen nur die Illusion von einem Hirschen. Von einem gemalten Brot werden wir eben nicht satt, aber „der Mensch lebt nicht nur vom Brot allein.“
Eigentlich passiert das Bild nur in unserem Kopf. Zum Beispiel können wir uns den Spass machen, etwas in eine amorphe Oberfläche hinein zu sehen. In die Formen einer Wandverputzung, Wasserflecken, den Mustern von Kacheln, oder den Wolken. Dabei sehen wir etwas in die Materiealien hinein, was gar nicht da ist. Auch Tiere lassen sich von optischen Signalen täuschen. Das nutzen dann manche Tiere aus, und bilden auf ihren Oberflächen Muster, die nach etwas anderem aussehen, als sie selber. Wie etwa der Tagpfauenauge, der ein Auge auf seinen Flügeln zeigt, oder die Feuerwanze, die auf ihrem Rücken ein Muster trägt, das aussieht wie eine afrikanische Maske.
Der Maler macht nichts anderes. Er gestaltet eine Oberfläche mit seinen Mitteln so, dass sie als etwas anderes erscheint, als sie ist.
Seine Qualitäten, und seine Grenzen.
Bei einem Fotoapparat fallen die Lichtstrahlen auf eine lichtempfindliche Schicht. Bei einer digitalen Kamera ist das ähnlich, nur werden die Lichtimpulse dann in einen Code verwandelt, und diesen Code wiederum, transformiert unser Laptop in sichtbare Bilder.
In unserem Auge fällt das Licht auf die Netzhaut, die aus lichtempfindlichen Zellen besteht, und diese Impulse leiten unsere Nerven an unser Gehirn weiter. Diese Impulse sind aber genau so wenig ein Bild, wie der Code, in der Digicam. Sie müssen erst in ein Bild transformiert werden. Diese Transformation geschieht aber nicht in unserem Gehirn, auch wenn es dazu unerläßlich ist, denn in ihm laufen die dazu notwendigen materiellen Prozesse ab. Unser Gehirn kann aber das Bild genau so wenig sehen wie der Fotoapparat, denn nur ein Bewusstsein kann sehen. Und unser Gehirn ist nicht unser Bewusstsein. Unser Bewusstsein benutzt unser Gehirn. Unser Bewusstsein schaut sich nicht unsere Gehirnaktivitäten an. Es sieht Bilder. Und diese Bilder stellt ihm unsere Seele zur Verfügung. Sie transformiert die Impulse in für unser Bewusstsein wahrnehmbaren Bilder. Unsere Seele ist der „Bildschirm“, auf dem die Bilder erscheinen, ein nicht materieller Bildschirm, denn unsere Seele existiert auf einer nicht mehr materiellen Seinsebene. Das erklärt auch, warum wir im Schlaf Traumbilder sehen können. Die Bilderebene in uns ist unsere Seele.
Unser Erdenbewusstsein schaut also nicht durch unsere Augen wie durch eine Festerscheibe hinaus, sondern es bekommt über unsere Augen und unser Nervensystem übermittelte, und von unserer Seele vermittelte Bilder zu sehen. Von den realen Gegenständen nehmen wir nur ihre Abbilder wahr. Wir sehen ausschließlich nur Bilder.
Das ist auch der Grund, warum wir uns durch Bilder täuschen lassen können. Ein Foto von einem Gegenstand können wir nur dann von dem Gegenstand unterscheiden, wenn wir unsere anderen Sinne zurate ziehen, oder unsere Perspektive auf den Gegenstand verändern. Ein gemaltes oder fotographiertes Bild von sinnlich wahrnehmbaren Dingen, erzeugt immer eine Illusion. Das Bild als Gegenstand besteht immer aus Materiealien. Aus Papier, Holz, oder Leinwand, aus farbigen Substanzen oder farbigem Licht. Ein materielles Bild braucht immer einen materiellen Bildträger.
Wenn wir das gemalte Abbild eines Regenschirmes sehen, sagen wir unwillkürlich: „Das ist ein Schirm.“ Das ist aber kein Schirm, sondern Farbe auf Leinwand, die so angeordnet ist, dass die Illusion eines Regenschirmes entsteht. Wir sehen zwar einen realen Gegenstand, nämlich den Keilrahmen, auf dem die Ölfarbe in besonderer Weise verteilt ist, aber eben keinen Regenschirm. Wir lassen uns täuschen.
Wir können nur das sehen, was wir real vor uns haben. Das kann der Gegenstand sein, aber auch ein Bild von einem Gegenstand. Ein gemaltes, oder photographiertes Bild ist ja auch ein Gegenstand. Solch ein materielles Bild, kann uns die äußere Ansicht von etwas zeigen, was nicht real Anwesend ist. So können wir etwas anschauen, was wir vielleicht niemals in unserem Leben in echt sehen werden. Die Mondoberfläche zum Beispiel. Genau genommen haben wir den Gegenstand dann aber nie gesehen, sondern nur ein Bild, von dem gesagt wird, dass es die Mondoberfläche zeigt. Und in der Tat gibt es Menschen die Bezweifeln, dass der Mensch auf dem Mond gewesen ist. Sie sehen die Bilder nicht als Beweis an.
Ich bezweifele das nicht, aber es zeigt, dass Bilder interpretierbar sind.
Wenn wir etwa einen Apfel fotografieren, dann können wir sein Abbild mit dem realen Apfel vergleichen. Diesen direkten Vergleich haben wir aber selten.
Bilder können uns etwas zeigen, aber sie können uns auch etwas vorgaukeln, was nicht real da ist. Wir sind es die entscheiden, ob wir ein Bild als ein Abbild von einem realen Etwas ansehen, oder als ein Trugbild.
Jede Materie hat ein äußeres Aussehen, und dieses Aussehen ist eine reale Eigenschaft des Gegenstandes. Das Bild, das unser Bewusstsein von einem Stein oder Apfel sieht, entspricht einer Realität. Das bilden wir uns nicht ein.
Das, was wir sehen, sind Oberflächen … und Oberflächen können wir gestalten. Materielle Bilder sind gestaltete Oberflächen. Weil es Oberflächen gibt, gibt es Bilder. Bilder gibt es, weil es die Materie gibt.
Eine gemalte, oder fotografierte, Landschaft ist keine Landschaft, auch wenn die Oberfläche des Trägermaterials so aussieht. Oder ein Laminatboden mit Holzmuster ist kein Holz, auch wenn der Eindruck erweckt werden soll. Weil wir mit unseren Augen nur Oberflächen sehen können, können Oberflächen Illusionen erzeugen. Hinter Oberflächen kann etwas versteckt werden. Sie geben etwas vor zu sein, was sie nicht sind.
Wir machen uns ja auch den Spaß, in Oberflächen etwas hinein zu schauen. Wir sehen in den unregelmäßigen Formen von Fliesen, der Rinde von Bäumen, oder in den Wolken gerne Gesichter oder Tiere hinein.
Weil also das, was wir mit unserem Erdenbewusstsein wahrnehmen, Bilder sind, können wir nicht immer eine Illusionen von einer Realität unterscheiden.
Es geht aber noch weiter.
Eine Kamera kann ein Bild auch durch einen Filter machen. Der Filter verändert die Lichtwellen. So ist auch das Bild einer Oberfläche, das in unserem Erdenbewusstsein entsteht von unserem Sehapparat abhängig. Ein Farbenblinder nimmt ein anderes Bild von der Welt wahr, als ein normal Sehender. Aber was heißt schon normal. Wenn ich durch deine Augen sehen könnte, würde ich sicherlich feststellen, dass unsere Augen unterschiedlich sehen. Bei den Tieren ist das noch deutlicher. Ein Falke sieht viel genauer als ein Mensch, ein Maulwurf viel undeutlicher, nachtaktive Tiere können auch im Dunkeln sehen, und manche Tiere, wie die Biene, sieht auch andere Wellenlängen des Lichtes.
Ein Bild ist auch immer ein Ausschnitt von einer Sache, niemals die Ganze. Das Ganze kann zu groß sein, um auf ein Bild zu passen, oder ein Etwas kann unser ganzes Sichtfeld einnehmen, so dass wir nichts anderes sehen können. Ein Ding zeigt auch nur eine Ansicht, denn während wir die Vorderseite anschauen, sind für uns die Rückseite und alle anderen Seiten nicht sichtbar. Dazu kommt noch die Perspektive. Auch die verzerrt unsere Wahrnehmung. Das, was uns Nahe ist, erscheint groß, während das Große weiter weg klein erscheint. Zum Beispiel sieht unser Daumennagel, in dem richtigen Abstand von unserem Auge, genauso groß aus wie der Mond. Das alles führt dazu, dass sich Bedeutungen verschieben.